David Berger und Alice Weidel werden Mister und Miss Homophobia

Unsere LGBT-Community lebt von der Solidarität untereinander. So steht es zwar nicht geschrieben, sollte aber eigentlich selbstverständlich sein. Nun hat aber in Deutschland die Community ausgerechnet einen Schwulen und eine Lesbe zum «Mister Homophobia» und zur «Miss Homophobia» gewählt.

Auch in diesem Jahr hat in unserem nördlichen Nachbarland die Initiative «Enough is Enough» via Abstimmung die Miss und den Mister Homophobia wählen lassen. Über den zweifelhaften «Titel der Schande» können sich in diesem Jahr David Berger, Theologe und Publizist, und Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD, freuen. An der Abstimmung teilgenommen haben fast 10'000 Menschen – und gewonnen hat Berger mit über 30 Prozent Stimmen, Weidel landete mit knapp 20 Prozent Stimmen auf dem zweiten Platz.

Alice Weidel und David Berger wurden kurz vor den Bundestagswahlen beste Freund*innen: Der von der katholischen Kirche verstossene Theologe Berger fragte sich und uns, was wir davon hätten, dass wir unsere Partnerschaft zwar nun – allerdings noch nicht bei uns in der Schweiz – Ehe nennen dürfen, aber «bald nach Scharia-Recht von Hochhausdächern gestürzt und gesteinigt» würden. Solche und ähnliche Aussagen passen natürlich perfekt zu einer populistischen Partei wie eben der AfD. Und es stört offenbar weder die lesbische Alice Weidel, noch der schwule David Berger, dass Mitglieder der AfD immer wieder mit homofeindlichen Äusserungen Schlagzeilen machen.

Dürfen wir LGBT nun aber zwei Homosexuelle für ihre Homofeindlichkeit «auszeichnen»? Ist die Solidarität unter uns nicht wichtiger? Marco Schenk, Mitgründer von «Enough is Enough», bringt es auf den Punkt:

Den allermeisten von uns ist bewusst, dass man eine Diskussion über Homo- und Transphobie nicht führen kann, ohne gleichzeitig über andere Formen von Diskriminierung zu reden.

Egal ob sich Diskriminierung gegen homo, bi, trans* und inter* Menschen oder Frauen*, Migrant*innen und Behinderte richtet, es ist und bleibt immer Menschenfeindlichkeit. So ist die Wahl von Berger und Weidel als übergreifende Solidarität zu begreifen.