Kein Gedenkort für lesbische Opfer des Nationalsozialismus in Ravensbrück

Gemäss dem Magazin L.MAG geht die lange Debatte über ein Denkmal für lesbische KZ‐Insassinnen im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück weiter: Die Entscheidung über eine geplante Gedenkkugel wurde erneut verschoben.

Niederlegung der Gedenkkugel im April 2015 (Videostill: Bernadette Dewald)

Bereits seit den 1980er Jahren bemühen sich Aktivistinnen, Historikerinnen und Lesbenorganisationen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück einen Gedenkort für die lesbischen Opfer des Nationalsozialismus einzurichten. So wurde vor zwei Jahren zum 70. Jahrestag der Befreiung von Ravensbrück eine Gedenkkugel niedergelegt. Diese wurde aber von der Leitung der Gedenkstätte wieder entfernt, da sie nicht offiziell genehmigt war.

Vehement gegen eine Gedenkstätte für lesbische NS‐Opfer sind Vertreter der schwulen Opfer. Begründung: Der Wunsch nach einem sichtbaren Zeichen des Gedenkens an lesbische Frauen würde die «Legende einer Lesbenverfolgung» schaffen. Diese würde sich aber auf «zweifelhafte Einzelfälle» stützen und sei daher «unseriös».

Von 1872 bis 1994 galt in Deutschland im Strafgesetzbuch der Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. 1935 verschärften die Nationalsozialisten den Paragrafen unter anderem durch Anhebung der Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis oder für «schwere Fälle» auf ein und zehn Jahre Zuchthaus. Für lesbische Frauen galt der Paragraf 175 nicht. Allerdings wurden viele Lesben als «Asoziale» verurteilt – da sie dem Führer keine Kinder schenken wollten oder konnten, oft nicht den «weiblichen» Klischees entsprachen. Mittlerweile ist dieser Teil der Lesbengeschichte einigermassen erforscht. So wurden viele Lesben in Konzentrationslagern «korrekturvergewaltigt». Um ihre Homosexualität zu unterdrücken wurden ihnen zudem die Klitoris amputiert – eine Praxis, die in psychiatrischen Anstalten noch bis in die 1970er «üblich» war.

Mit diesem schrecklichen Wissen von einer «Legende der Lesbenverfolgung» zu sprechen ist mehr als zynisch und eine Verharmlosung von schrecklichen Verbrechen an Menschen.