Versprechen über Versprechen

Am 18. Oktober wählen wir ein neues Parlament! Und da bekanntlich Wahltag auch Zahltag ist, hat Pink Cross die Kampagne «Meine Stimme» gestartet. Diese soll uns Queers helfen, nicht nur die richtige Partei zu wählen, sondern auch die richtigen Politiker_innen zu unterstützen. Und dabei ist es definitiv keine Überraschung, dass sich vor allem die linken Parteien für unsere Rechte einsetzen.

Blick in den 'Ursus Insider' 4/95 ...

Das war schon immer so! 1995 war auch ein Wahljahr. Und für den den damaligen ‹Ursus Insider›, der Vereinszeitung des Ursus Club, hatte ich für einen «Parteientest» einen Fragebogen verschickt. Neun Parteien des Kantons Bern habe ich um die Beantwortung unserer Fragen gebeten. Nur gerade vier Parteien hatten den Fragebogen ausgefüllt. Auf eine Rücksendung verzichtet hatten u.a. CVP, EVP und SVP. Und auch 20 Jahre später sind die Antworten auf die Frage «Wie steht ihr Partei zu Schwulen und Lesben?» spannend.

Fred Schneiter und Thomas Feuz 1995 für die EDU:

Schwule und Lesben sind Personen, die wir in ihrer menschlichen Würde achten. Ausgehend vom Evangelium gelten ihnen Gottes Gebote und auch Gottes Angebot von Gnade und Vergebung.

Franz Stämpfli 1995 für die FDP:

Diese Frage sollte eigentlich gar nicht mehr gestellt werden müssen. Jedenfalls verpflichtet das liberale Gedankengut die FDP, jegliche Ausgrenzung gegenüber Mitmenschen zu unterlassen und deren Freiheit der Lebensgestaltung, der Religion, der geschlechtlichen Orientierung usw. zu respektieren und zu tolerieren, ja sogar zu akzeptieren.

Kurz und bündig – als ob die Frage schon 1995 überflüssig war – Edwin Knuchel für die SP:

Schwule und Lesben sind für uns kein Problem!

20 Jahre später unterstützen gemäss einer Umfrage von Pink Cross von Links bis in die Mitte vor allem SP, Grüne, GLP und BDP unsere Anliegen umfassend – und hängen FDP, CVP und SVP mit riesigem Vorsprung ab. In diesem Zusammenhang wirkt oben stehende Antwort der FDP irgendwie höhnisch …

Wie gayfriendly sind die Schweizer Parteien?

Wie gayfriendly sind die Schweizer Parteien? Die vollständige Liste ist unter myvoice.lgbt zu finden …

Spannend fand ich damals auch die Antworten auf die Frage «Ist ihnen etwas über die Geschichte des Rosa Dreiecks bekannt?».

War das nicht ein Zeichen der Diskriminierung im sogenannten Dritten Reich (analog «Judenstern»)?

Diese Antwort hatte die EDU beim damaligen Pink Cross-Geschäftsleiter Rolf Trechsel erfragt. Ohne Recherche und entsprechend ehrlich beantwortete die FDP die Frage:

Darüber ist uns nichts bekannt. Ob damit die Organisation «Pink Cross» gemeint ist, wissen wir nicht.

Hätten – so meldet ’20 Minuten› heute – die Wahlen vor einer Woche stattgefunden, wären SVP und FDP Wahlsieger geworden. Deshalb sei mir folgende parteiische Bemerkung erlaubt: Die Geschichte und auch ein Blick auf die Rankingliste der «gayfriendly» Parteien von Pink Cross beweisen, dass ein Rechts-Rutsch unseres Parlaments direkte Folgen auf unsere Rechte haben wird …

Was rauskommt, wenn junge Politiker_innen über «Ehe für alle» und «Adoption für gleichgeschlechtliche Paare» diskutieren, war am Freitagabend in der «Arena» vom Schweizer Radio und Fernsehen zu hören. Es diskutierten Jean-Pascal Ammann (Junge CVP), Anian Liebrand (Junge SVP), Fabian Molina (JUSO), Maurus Zeier (Jungfreisinnige), Salome Mathys (Junge GLP), Claudia Meder (Junge EVP) und Marcel Erhard (Junge BDP). Ich empfand gewisse Aussagen ziemlich erschreckend …