Jubel in den USA

Jubel in den USA: Auf den Tag genau 46 Jahre nach „Stonewall“ öffnete das höchste amerikanische Gericht knapp mit fünf zu vier Stimmen die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in allen US-Staaten vollständig. Bisher war die Ehe in 36 der 50 Bundesstaaten für schwule und lesbische Paare offen.

Stoneall

Es war in der Nacht auf den 28. Juni 1969 als sich endlich Transmenschen, Schwule und Lesben gegen die willkürlichen Polizeirazzien im New Yorker Greenwich Village wehrten. Anfangs waren es vor allem die Gäste der Bar „Stonewall Inn“ an der Christopher Street, die sich zur Wehr setzten und sich anschliessend auch weitere Menschen den Protesten anschlossen. Tagelang lieferten sich wütige Homosexuelle und Trans* mit der Polizei Strassenschlachten. Heute gilt der Stonewall-Aufstand für die Lesben- und Schwulenbewegung als Wendepunkt in ihrem Kampf für Gleichbehandlung und Anerkennung – und wir feiern jedes Jahr weltweit den Christopher Street Day (oder eben die Pride).

Wer den „ersten Stein“ gegen die Polizei warf, ist nicht bewiesen. Eine Quelle sagt, dass die Transfrau Sylvia Rivera eine Flasche nach einem Polizisten geworfen habe, nachdem sie von dessen Schlagstock getroffen worden sei. Eine andere Quelle meint, dass eine Lesbe sich dagegen gewehrt habe, in ein Polizeiauto gesteckt zu werden, und damit die umstehende Menge angespornt habe, sich ihr anzuschliessen.

Wie auch immer: Unseren Kampf starteten damals Schwule, Lesben, Trans* und Drag gemeinsam. Richtig jubeln können nun 46 Jahre in den USA allerdings nur Schwule und Lesben. Transmenschen werden (nicht nur) in vielen Staaten der USA noch immer stark diskriminiert. Erst wenn auch Transidentität und Intersexualität juristisch anerkannt und vor allem auch geschützt werden, ist der Kampf endgültig gewonnen.

Und wir in der Schweiz freuen uns über die Eheöffnung in den USA – mit dem Wissen, dass wir von der vollständigen Gleichstellung noch etwas weiter entfernt sind. Unsere eingetragene Partnerschaft – 2005 von der Stimmbevölkerung an der Urne angenommen – war zwar ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur vollständigen Gleichstellung von uns Schwulen und Lesben. Allerdings signalisiert dieses Sondergesetz, dass wir vom Gesetzgeber als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Deshalb unterstreicht das aktuelle Urteil aus den USA unsere Forderung erneut: Wir wollen keine Sonderrechte – wir wollen gleiche Rechte.